Gesundheits-Pionier Tennengau
(23. Mai 2011)
Netzwerk. Der Bezirk Tennengau ist seit 16 Jahren Modellregion für Gesundheitsprojekte. Bewährt haben sich das Entlassungsmanagement oder die aufsuchende Seniorenberatung.
HALLEIN. „Wir waren ein gutes Zwei-Mann-Team", resümierten Pflegedirektor Karl Schwaiger vom Krankenhaus Hallein und Allgemeinmediziner Christoph Dachs über die 16 gemeinsamen Jahre im Vorstand des Gesundheitsnetzwerkes Tennengau. Das neue Dreier-Team Hajo Klingler. Gundula Göbel und Helga Schloffer decke die Bereiche Allgemeinmedizin, Pflege und Psychologie ab - was die Lebensrealität der Menschen widerspiegle. Insgesamt 28 Gesundheits-Anbieter und soziale Dienste sind Mitglied im Tennengauer Gesundheitsnetzwerk, das als Modell für ganz Westösterreich eingeführt wurde. Ziel ist es, die Patienten mit Projekten möglichst maßgeschneidert zu versorgen - und gleichzeitig Kosten zu sparen. Ein Beispiel dafür ist das strukturierte Entlassungsmanagement im Krankenhaus Hallein: Patienten und Angehörige werden in enger Zusammenarbeit mit den Hausärzten auf das Leben nach dem Krankenhausaufenthalt vorbereitet. Das Ergebnis: Die Anzahl der Krankenhausaufenthalte und die Tage pro Aufenthalt konnten gesenkt werden - und damit die Kosten.
Verblüffend: Auch die Kosten für die Nachfolgebetreuung durch den Hausarzt gingen zurück. Das Gesundheitsnetzwerk rechnet damit, dass das Halleiner Modell in ganz Salzburg, wenn nicht österreichweit, übernommen wird. Beim Modell der aufsuchenden Seniorenberatung wurde diese Hoffnung freilich bislang enttäuscht: Trotz zweier wissenschaftlicher Studien sträube sich das SP-geführte Sozialressort, das Modell auf ganz Salzburg auszudehnen. Dabei werden alle 80-Jährigen telefonisch kontaktiert und, wenn es gewünscht wird, in den eigenen vier Wänden zum Thema Pflege beraten. Schwaiger bedauerte, dass das Thema zum Streitthema zwischen ÖVP und SPÖ geworden sei. Das ebenfalls SP-geführte Sozialressort in Tirol sei jedenfalls gerade dabei, die aufsuchende Seniorenberatung flächendeckend einzuführen. Für einen flächendeckenden Betrieb im Tennengau wären 60.000 Euro pro Jahr nötig.

Neuer Vorstand: Karl Schwaiger (KH Hallein) und Christoph Dachs (v. r., mit Gf. Gabi Pichler) übergaben an Gundula Göbel (KH Hallein), Hajo Klingler und Psychologin Helga Schloffer (v. I.).
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